Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Tal der Wupper zum größten Wirtschaftszentrum des Kaiserreichs. Mit dem Bau der ersten elektrischen
Zahnrad-Bergbahn, der Zugerschließung samt Deutschlands höchster Eisenbahnbrücke, den ersten Trinkwassertalsperren überhaupt, der
Schwebebahn als einmaliges Nahverkehrssystem, dem ersten künstlich angelegten Freiluftbad mit Temperaturregulierung, der deutschlandweit
ersten Fabrik mit elektrischer Beleuchtung sowie der Flächenabdeckung mit Strom aus Dampf- und Wasserkraft der Wupper und deren
Nebenflüssen strebte das Industriezeitalter dort, wo es in Deutschland einst entsprungen war, seinem wirtschaftlichem Höhepunkt entgegen.
Bergische Produkte wurden weltweit bekannt. Bis zum heutigen Tag befinden sich zahlreiche Weltmarktführer im Bergischen Land.
Es ist noch nicht lange her, da galt es als undenkbar, dass die ehemals florierenden Textilfabriken, die Arbeit und Wohlstand versprachen,
je hätten ein Ende finden können. Sie locken Menschen an das Ufer der Wupper und urbanisierten das Gelände nachhaltig.
Heute ist der Bereich an der Wupper in Radevormwald ein Spagat zwischen Fortschritt und Tradition, Erinnerung und Sterben,
zwischen Stillstand und Wandel. Eine Mischung aus Wohngebiet, Naherholung, Kleingewerbe, Industrieruine und Werterhaltung.
Davon erzählt diese Ausstellung.
Karsten Weidner & Armin Gerhardts

